Miriam Staudte, MdL

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3. November 2010

Warum Gorleben nicht geeignet ist

Ein Artikel von Miriam aus dem aktuellen Heft der Zeitschrift "Haus und Hof"

Bislang stehen keine Castoren unten im Salzstock Gorleben. Die 91 Transportbehälter befinden sich wenige hundert Meter vom "Erkundungs"-Bergwerk entfernt in einer Leichtbauhalle.
Bislang wurde die endgültige Entscheidung nicht getroffen, ob Gorleben das nationale Endlager für hochradioaktiven Atommüll werden soll oder nicht. Im Jahr 1977 wurde der Standort Gorleben vom Landeskabinett benannt, obwohl eine Studie des Bundes 26 andere Standorte als geologisch möglich benannte. Bei den Auswahlkriterien der niedersächsischen Ministerien bezogen sich im damaligen Standortvergleich nur 12,8% auf die unterirdischen geologischen Kriterien, der Rest betraf vor allem wirtschafts- und strukturpolitische Fragen. Damals suchte man nicht nur ein Endlager sondern einen Ort für ein "Nukleares Entsorgungszentrum", neben einem Endlager wollte man vor allem eine umstrittene so genannte Wiederaufarbeitungsanlage bauen, Pläne wie sie im bayerischen Wackersdorf wenige Jahre später nach massiven Protesten eingestellt wurden, denn Wiederaufarbeitungsanlagen gelten wegen ihrer radioaktiven Emissionen als die gefährlichsten Anlagen in der Atomwirtschaft. Radioaktive Emissionen von denen im 50km-Radius zu 81% die damaligen DDR-Bürger betroffen gewesen wären. Nach dem Hannover-Treck 1979 und einer Abschlußdemo mit 100.000 Teilnehmern hat man diese Pläne in Gorleben aufgegeben.

Wird in Gorleben ergebnisoffen erkundet?

Wir sagen nein, denn in Gorleben werden Fakten geschaffen. Dort stehen die Castoren, dort steht eine betriebsbereite Pilotkonditionierungsanlage, mit der die Abfälle einlagerungsgerecht umverpackt werden können, dort wurden für 1,5 Milliarden Euro unterirdisch riesige Tunnel errichtet, so dass man eher von Ausbau als von Erkundung sprechen muss.

Kein anderes Land auf der Erde setzt mehr wie Deutschland auf Salz. Ganz grundsätzlich spricht Einiges gegen Salz als Endlagermedium. Bei der so genannten Radiolyse wird Salz unter Einwirkung von Strahlung und Hitze (der Atommüll hätte bei Einlagerung noch eine Temperatur von ca. 200 Grad Celsius) in seine Bestandteile Natrium und Chlorid aufgespalten. Dabei entstehen explosive Gase.

Viele geologische Erkenntnisse sprechen bereits jetzt auch speziell gegen Gorleben, sie werden aber ignoriert.

Kritisiert wird, dass das Deckgebirge über dem Salzstock durch die Eiszeit auf einer Fläche von 7,5 Quadratkilometern abgetragen wurde, Grundwasser steht direkt auf dem Salzstock. Im Mehrbarrieren-Konzept hat das Deckgebirge aber eine wichtige Schutzfunktion. Die Trockenheit ist ein wichtiges Kriterium bei der Endlagerung von Atommüll, weil Wasser das Transportmedium ist, das Radioaktivität an die Oberfläche befördern könnte. Auch gibt es im Salzstock Gorleben Laugennester. Zwar wird behauptet, es handele sich um Wassereinschlüsse aus der Eiszeit und nicht um neue Zuflüsse, allerdings könnte sich der Salzstock unter der extremen Hitze verwerfen und die Wässer können mobilisiert werden. In der Asse wurden gorleben-relevante Versuche mit Heizstäben angeblich aus Kostengründen abgebrochen. Neben Laugeneinschlüssen gibt es auch Erdölvorkommen im Salz (siehe Foto). Der Salzstock Gorleben-Rambow, der unter der Elbe bis in die neuen Bundesländer hineinragt, wurde zu DDR-Zeiten schon wegen Gasvorkommen angebohrt. Damals kam es in Lenzen zu einer Gasexplosion, bei der der 28jährige Leiter der Anlage ums Leben kam. Unter dem Salzstock soll sich eine der größten Gasblasen Norddeutschlands befinden. Dies wurde fahrlässigerweise nie näher erforscht. Der Salzstock in Gorleben ist sehr heterogen und besteht nicht nur aus reinem Steinsalz. Auch das klüftig brechende Anhydrit und Carnallit (das wasserlösliche Salz aus der Asse) sind vorhanden. Seit der Eiszeit gibt es Permafrostrisse im Salzstock, die bis in den möglichen Lagerhorizont hineinragen.

Inzwischen wurde in Berlin ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt, weil es Hinweise darauf gibt, dass Geologen, die 1983 in einem Gutachten zu dem Schluss kamen, dass es Zweifel an der Geeignetheit Gorlebens gibt, von Mitarbeitern des Bundeskanzleramts angewiesen wurden, das Fazit ihres Gutachtens zu ändern und die Forderung nach der Untersuchung anderer Standorte herauszustreichen.

Übrigens: Das radioaktive Inventar der Asse entspricht  von der Gesamtstrahlung her einem Zweihundertstel eines Castors. Aus der Asse lernen heißt auf Gorleben zu verzichten!

Alles in Allem: Viele Gründe am 6.November um 13.00h nach Dannenberg zur Castordemo zu kommen!!

 

Erdöl im Salzstock

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