Pressemitteilung Eine Lobby für die Bienen- Grüne und Imkerverein Wendland luden zur Fachkonferenz

Ursachen und Konsequenzen des Bienensterbens sowie mögliche Lösungsansätze standen im Mittelpunkt der Imkerei-Fachkonferenz am vergangenen Sonntag  (08.10.2017) in der Woltersburger Mühle. Die Veranstaltung wurde vom Imkerverein Wendland konzeptionell unterstützt. Etwa 90 Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren der Einladung gefolgt.  Auf dem Podium diskutierten die Grünen Abgeordneten um Agrarminister Christian Meyer, sowie Thomas Mitschke vom NABU Lüneburg, Uschi Herzog und Jörg Knaak vom Imkerverein Wendland e.V , Ursula Dix von der Gesellschaft zum Erhalt der Dunklen Biene e.V. und Klaus Ahrens vom Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerverbund e.V. mit den zahlreichen Gästen. Nach mehreren Fachvorträgen wurden in drei Workshops Strategien zur Rettung der Bienen erarbeitet.  Obwohl der Rückgang der Bienenpopulationen ebenso wie das Insektensterben für die Menschheit dramatische Folgen hat, wird diesen Tierarten ungleich weniger gesellschaftliche Aufmerksamkeit zuteil als etwa großen Säugetieren und anderen Nutztieren. Dabei spielen Bienen eine zentrale Rolle im Ökosystem, sie bestäuben etwa 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen und sind damit auch für die Lebensmittelherstellung des Menschen unverzichtbar. Dennoch haben in den vergangenen Jahren unter anderem die intensive Landwirtschaft mit hohen Stickstoffeinträgen und dem Verlust an Blütenvielfalt, der Einsatz von Insektiziden, Pestiziden und Fungiziden, der Flächenverbrauch  sowie der Schwund von Rückzugsbereichen zum dramatischen Rückgang der Bestände geführt.

Um diesem entgegen zu wirken, braucht es ein gesamtgesellschaftliches Umdenken, welches durch politisches Umsteuern begleitet werden muss. „Wir müssen die Imkerei politisch machen“, formulierte es Jörg Knaak vom Imkerverein Wendland. Man könne den Erhalt der Honigbiene nicht allein dem privatem Engagement von Imkern überlassen, sondern müsse sich intensiver um natürliche und gesellschaftliche Wirkmechanismen kümmern. Neben praktischen Maßnahmen vor Ort wie etwa der Anlage von Brachen sowie Ackerrand- und Gewässerstreifen brauche die Biene Schutz durch einen rechtlichen Rahmen sowie eine Lobby. Diese könne beispielsweise durch den Status der Imkerei als Unesco-Weltkulturerbe erreicht werden. „Bienen sind ein Indikator für den Zustand unserer Natur“, sagte Klaus Ahrens vom Berufs- und Erwerbsimkerverbund. Während die Winterverluste an Bienenvölkern früher etwa fünf Prozent betrugen, sind heute 30 Prozent Verlust der durch Gifte und Varoa-Milben geschwächten Bestände keine Seltenheit. Die Heidebiene, welche bis um 1850 in ganz Norddeutschland verbreitet war, ist bereits fast ausgestorben. Sie wurde durch das Eingreifen des Menschen und die Ansiedlung von Bienenarten mit höherem Honigertrag verdrängt, obwohl sie 40 Prozent mehr heimische Pflanzenarten bestäubt als invasive Arten. Für Flächenverluste und fehlende Rückzugsgebiete fehlt es zudem an Kompensation, Management und Personal in den Behörden. So kommen planerische Ansätze oftmals nicht zur Umsetzung.

Das Blühstreifenprogramm des Landes Niedersachsen, welches im vergangenen Jahr noch intensiviert wurde, ist eine Maßnahme, um dem Rückgang der Bienenpopulationen entgegen zu wirken. „Uelzen und Lüneburg sind die Hochburgen“, freute sich Christian Meyer.. Allein im Landkreis Uelzen stieg die Fläche an Blühstreifen im Jahr 2017 von 1123 auf 1760 Hektar", so Meyer. „Als weitere wichtige Maßnahme müsse die dunkle Honigbiene ebenso wie andere Arche-Tiere geschützt und gefördert werden, da viele heimische Pflanzenarten auf ihre Bestäubung angewiesen seien“, betont Christian Meyer abschließend.

Die Grüne Landtagsabgeordnete Miriam Staudte, Organisatorin der Veranstaltung,  zeigte sich mit dem Ergebnis der Fachtagung sehr zufrieden: „ Der Austausch zwischen Politik und Praxis zum Schutze der Bienen wurde mit der heutigen Tagung neu angekurbelt. Beide Seiten wissen nun, wo sie ansetzen können, um gemeinsam etwas gegen das Bienensterben zu bewirken. Dies soll ein Auftakt sein.“

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