PRESSEMITTEILUNG Noch viel zu tun nach Isegrims Rückkehr

Das Thema Wolf ist ein Garant für volle Säle. Rund 80 Gäste diskutierten auf Einladung der Kreistagsfraktion und der Landtagsfraktion von Bündnis '90/Die Grünen am Montagabend im Lim's die aktuellen Entwicklungen. Neun Rudel leben inzwischen in Niedersachsen und vielerorts kommt es zu Konflikten insbesondere mit der Schafhaltung.

Nachdem Konstantin Knorr, Artenschutzreferent im Umweltministerium einen Inputvortrag gehalten hatte, diskutierten Berufsschäfer Stefan Erb und NaBu-Vorsitzender Thomas Mitschke die aktuellen Problemlagen. "Meine Skepsis gegenüber dem Wolf ist eher größer geworden," so Erb, der in Bleckede über 1200 Schafe hält, auf die Frage des Moderators Detlev Schulz-Hendel nach seiner Einschätzung der Gesamtlage. "Es ist gut, dass wir bei den Materialkosten für wolfssichere Zäune unterstützt werden, aber die Mehrarbeit bleibt an den Schäfern allein hängen", so der 2.Vorsitzende des niedersächsischen Schafhalterverbands. Aus diesem Grund biete der NaBu aktive Hilfe beim Zaunbau an, berichtet Thomas Mitschke. "Doch bisher hat sich leider kein einziger Schafhalter bei uns gemeldet. Mahnfeuer tragen auf jeden Fall nicht zur Lösung von Problemen bei. Das ist nur eins: Zusätzliche Feinstaubbelastung." Der NaBu und auch die Initiative "Wikiwolves" böten tatkräftige Unterstützung.

 

 

Der agrar-und naturschutzpolitische Sprecher der Grünen im Landtag Hans-Joachim Janßen sieht die Verantwortung nicht allein bei den Tierhaltern, sondern fordert mehr finanzielle Unterstützung und Aufklärungsarbeit. "Neben den ehrenamtlichen Unterstützungsangeboten brauchen wir eine professionellen "Einsatzgruppe", wenn eine Schafherde von einem Übergriff betroffen war. Weidetierhalter in Wolfsregionen haben darüber hinaus erheblichen Mehraufwand bei der Haltung ihrer Tiere. Langfristig müssen wir dahin kommen, über die Agrarförderung einen Erschwerniszuschlag für Weidetierhalter in Wolfsregionen zu zahlen." Er bemängelt, dass von CDU und FDP im Landtag keine Lösungsansätze kommen, sondern Konflikte geschürt werden. "Die Mitarbeit an einem gemeinsamen Landtagsbeschluss hat die Opposition abgelehnt. Das ist nur noch reiner Wahlkampf."

Auch Staudte sieht in den Forderungen nach der Aufnahme ins Jagdrecht keine Vorteile. "Im Gegenteil: Wird ein erfahrenes Elterntier aus einem Rudel geschossen, kann es zu zusätzlichen Nutztier-Rissen kommen, denn die unkoordiniert jagenden Jungtiere greifen auf die leichter zu erbeutenden Schafe zurück." Daher sei ein wolfssicherer, gut gewarteter Elektrozaun unersetzlich. Der Wolf muss jedes Mal eine gewischt bekommen, wenn er einen Schafszaun überwinden will." Auch die Scheu würde man dem Wolf nicht dadurch angewöhnen, dass einige abgeschossen werden. "Der Wolf wird mit Schussgeräuschen immer etwas Positives verbinden: Findet eine Jagd statt, sind dort leicht zu erbeutende, verletzte Tiere und Aufbruch von ausgenommen Tieren zu finden." Eine Aufnahme ins niedersächsische Jagdrecht habe nicht zur Konsequenz, dass der Wolf bejagt werden dürfe, bestätigt auch Konstantin Knorr. Der Erhaltungszustand unserer Wolfspopulation sei im Gegensatz zu anderen europäischen Populationen nicht gesichert. "Einzelne Wölfe, die sich ein problematisches Verhalten angewöhnt haben, dürfen mit einer Ausnahmegenehmigung aber auch ohne Jagdrecht geschossen werden wir bei MT6 oder Kurti geschehen."

 

 

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