Rede Miriam Staudte: Tierische Produkte umfassend kennzeichnen

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident, meine Damen und Herren Abgeordnete!

Gerade bei tierischen Lebensmitteln, beim Fleisch, bei den Eiern und bei der Milch wollen Verbraucherinnen und Verbraucher zunehmend wissen, woher das Produkt kommt und vor allem, wie es erzeugt worden ist. Diesem Bedürfnis wird die Lebensmittelkennzeichnung bisher aber nur unzureichend gerecht.

Da geistern reichlich Begriffe herum wie „kontrollierter Anbau“ oder „artgerecht“. Aber die bedeuten meistens nicht mehr, als die Einhaltung der gesetzlichen Standards. Es steckt also faktisch nicht viel dahinter und das ahnen die Verbraucherinnen und Verbraucher auch.

Über die Tierwohl-Initiative der Unternehmen der Fleischwirtschaft haben wir ja schon im letzten Plenum gesprochen. Auch hier fehlt die Kennzeichnung. Offenbar scheut die Lebensmittelwirtschaft bisher, unterschiedliche Prozessqualitäten gerade tierischer Lebensmittel offen zu legen. Es mag ja sein, dass das Schnitzel von einem Schwein das Auslauf hatte auch nicht für jeden anders schmeckt, als das konventionelle Schnitzel. Aber die Frage der Haltung, die Frage wo etwas herkommt, ist einer wachsenden Zahl von Menschen völlig unabhängig von Inhaltsstoffen oder geschmacklichen Qualitäten wichtig.

Und da haben wir in Sachen Kennzeichnung noch gewaltigen Nachholbedarf.

Anrede,

und da wo es eine verlässliche und einfach erkennbare Kennzeichnung der Haltungsform gibt, bei den Eiern, da hat sie auch Wirkungen bei der Kaufentscheidung der Verbraucherinnen und Verbraucher. Gehen Sie mal hier in Hannover los und versuchen ein rohes Hühnerei aus Käfighaltung zu kaufen. Ich bin mir ziemlich sicher, Sie werden kein Ei mit der „3“, also aus Käfighaltung finden. Ziemlich bald nachdem 2005 der Eierstempel eingeführt wurde, aus dem die Haltungsform klar erkennbar ist, waren Käfigeier aus dem Handel weitgehend verschwunden. Weil sie schlicht nicht mehr nachgefragt wurden, obwohl sie billiger sind.

Und damit ist auch die These wiederlegt, die Verbraucherinnen und Verbraucher würden zwar mehr Tierschutz fordern, aber wenn es am Supermarktregal dann zum Schwur kommt doch wieder nur das Billigere kaufen. Das stimmt so nicht meine Damen und Herren. Wenn höhere Standards klar erkennbar sind und vor allem wenn sie auch verlässlich sind, dann geht es nicht nur um billig und  billiger. Diese ganzen nichtssagenden Marketingbegriffe wie „kontrolliert“ oder „artgerecht“ haben halt kaum Wirkung, aber das ist auch verständlich. Das ist das Problem.

Anrede,

wir wollen nach den guten Erfahrungen mit der Eierkennzeichnung dieses System ausweiten. Auch auf Lebensmittel, in denen Eier verarbeitet sind, wie Nudeln oder Tiefkühltorte. Da sind bisher überwiegend Käfigeier drin, aber das kann niemand erkennen, weil es eben nicht gekennzeichnet werden muss.

Grundsätzlich eignet sich ein System wie bei den Eiern: 0 = bio und 3 = konventionell ohne irgendwelche Zusatzleistungen. Das wird man vermutlich nicht 1:1 so übernehmen können, aber vom Prinzip her wird das sicher gehen. Das ist ein eingeführtes System, leicht erkennbar und ohne Kleingedrucktes, was im Zweifel sowieso kaum jemand liest. Deshalb begrüße ich ausdrücklich den Vorstoß unseres Landwirtschaftsministers Christian Meyer, der gemeinsam mit seinem Kollegen aus Baden-Württemberg eine entsprechende Initiative in die Agrarministerkonferenz eingebracht hat.

Anrede,

es wird ja immer gern die „geiz-ist-geil-Mentalität“ beklagt und so getan, als seien die Kundinnen und Kunden schlicht nicht bereit, einen angemessenen Preis für gute Lebensmittel zu bezahlen.

Das mag es ja geben, aber das ist nach meiner Überzeugung nur die halbe Wahrheit. Das ganze Lebensmittelmarketing war in den letzten 50 Jahren auch nur auf den Preis abgestellt. Und wer 50 Jahre nur den Preis bewirbt, der muss sich auch nicht wundern, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher dann auch nur noch den Preis nachfragen.

Wenn wir das ändern wollen – wenn wir die Wertschöpfung bei den Bäuerinnen und Bauern erhöhen wollen - dann müssen wir differenzierteres Kennzeichnung einführen- nur so kann der Verbraucher seine Marktmacht nutzen.

Vielen Dank!

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