Atompolitik 31 JAHRE Tschernobyl

Am morgigen 26. April jährt sich die Atomkatastrophe von Tschernobyl zum 31. Mal. Auch nach diesem scheinbar langen Zeitraum sind die Folgen der Katastrophe noch spürbar.

Bedingt durch eine langanhaltende Schönwetterphase mit kontinuierlichem Ostwind wurden damals radioaktive Partikel, wie Cäsium-137 von Zentraleuropa bis nach Skandinavien verteilt. Mit dem später einsetzenden Regen wurden diese Partikel dann aus der Atmosphäre herausgewaschen und gelangten auf die Erde.

Am 29. April 1986 erreichte die radioaktive Wolke schließlich Niedersachsen. Die stärksten Belastungen gab es damals an den Orten, wo es zufällig viel Niederschlag gab. Neben dem Harz war das in Niedersachsen insbesondere der Landkreis Lüchow-Dannenberg, wo teilweise Werte über 12.000 Becquerel pro m² gemessen wurden. Diese Einschätzung deckt sich mit Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz, wonach für bestimmte Pilzarten, insbesondere im südlichen Bayern, noch heute die Grenzwerte überschritten werden und auch Wildschweine je nach geographischer Herkunft belastet sein können. Nach Einschätzung des Bundesamtes wird die Belastung erst nach 2030 signifikant zurückgehen.

In diesem Zusammenhang betont Julia Verlinden, Sprecherin für Energiepolitik der Grünen Bundestagsfraktion, auch die finanziellen Folgen der Katastrophe: „Für den Zeitraum der Jahre 2010-2015 wurden noch 3,6 Mio. Euro Entschädigungszahlungen für verstrahltes Wildbret in Bayern gezahlt. Es bestehen also neben den gesundheitlichen Risiken auch heute noch große finanzielle Verpflichtungen.

 

Diese Zahlen sind sogar noch gering, verglichen mit den Aufwendungen, die nach wie vor in Tschernobyl nötig sind, um ein Austreten weiterer Strahlung zu verhindern. „In diesem Jahr soll der neue Sarkophag, der den zerstörten Reaktor in Tschernobyl abschirmen soll, nach rund sechsjähriger Bauzeit in Betrieb genommen werden. Dessen Herstellung kostete rund 200 Milliarden, wovon allein Deutschland gut 100 Millionen Euro beigesteuert hatte. Atomkraft ist teuer und gefährlich, das lässt sich immer wieder feststellen“, so die regionale Landtagsabgeordnete Miriam Staudte.

 

Hintergrund:

Am 26. April 1986 kam es im ukrainischen Tschernobyl im Zuge einer verunglückten Versuchsdurchführung zu einer Explosion des 4. Reaktorblockes. Erst nach einigen Tagen wurde die Freisetzung radioaktiver Stoffe mit Hilfe tausender junger Männer -der Liquidatoren- eingedämmt, so dass in den ersten Tagen nach der Katastrophe mehrere Trillionen Becquerel freigesetzt wurden und in die Atmosphäre gelangten. In der Folge wurden Hunderttausende verstrahlt und mussten massenhaft ihre Heimat verlassen. Über die Zahlen der Todesopfer herrscht bis heute weitgehend Uneinigkeit. Tausende der Liquidatoren starben an den Strahlenschäden. Die Reaktorkatastrophe gilt europaweit als Zäsur im Umgang mit der Atomenergie.

Zurück zum Pressearchiv