PRESSEMITTEILUNG Abgeordnete besuchen Lebensraum Diakonie

Auf dem Foto (von links nach rechts): Michael Elsner Lebensraum Diakonie e. V., Miriam Staudte, Tanja Bauschke, Detlev Schulz-Hendel

Wie ist die Situation obdachloser Menschen im Landkreis Lüneburg? Über die Situation vor Ort informierten sich die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte und Detlev Schulz-Hendel, sowie die Kreistagsabgeordnete Tanja Bauschke (alle Bündnis 90/Die Grünen) bei einem Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzendem Michael Elsner des Vereins Lebensraum Diakonie, u. a. zuständig für stationäre Wohnungslosen- und Eingliederungshilfe-Einrichtungen mit 62 Plätzen für Wohnungslose. Der tatsächliche Umfang von Wohnungslosigkeit sei größer.

Elsner erläuterte: „Ein Anteil von unter 10 % Prozent der Wohnungslosen lebt tatsächlich auf der Straße oder ist vorübergehend irgendwo untergekommen. Andere sind vorübergehend in verschiedensten unserer Unterkünften untergebracht, derzeit ca. 50 Einzelpersonen, Tendenz steigend. Unser Ziel muss die Prävention sein. Das heißt, dass eine drohende Wohnungslosigkeit noch abgewendet oder nahtlos eine neue Wohnung gefunden wird.“

Insbesondere die Situation von wohnungslosen Frauen interessierte Grünen-Politikerin Miriam Staudte. „Frauen versuchen häufiger als Männer bei Verlust der Wohnung bei Bekannten unterzukommen. Damit begeben sie sich häufig in Gefährdungen. Es kommt nicht selten zu sexueller Ausbeutung", berichtet Elsner. Tanja Bauschke ermutigt Hausbesitzerinnen und -besitzer, dem Verein Wohnraum  zur Verfügung zu stellen. „Das kann auch zum Beispiel nur für Frauen mit Kindern geschehen", so die Grünen. Der Lebensraum Diakonie trete dann z. B. als Hauptmieter auf und bleibe als Ansprechpartner bestehen. „Ich wohne selbst neben einem Haus des Vereins und bin sehr zufrieden", so die Grüne. 

Die Grünen sehen als Ursache für eine sich verschärfende Situation auch den angespannter Wohnungsmarkt in Lüneburg und Umgebung. „Der Schaffung von günstigem Wohnraum ist eine Gemeinschaftsaufgabe und muss bei jeder Festlegung von Baugebieten berücksichtigt werden“, so die Grünen unisono.

Kommen zum angespannten Wohnungsmarkt andere Faktoren hinzu, zum Beispiel, dass Anträge beim Jobcenter nicht rechtzeitig gestellt werden, Schreiben von Behörden liegen bleiben und letztendlich zu Sanktionen durch das Jobcenter führen, sei der Verlust der Wohnung vorprogrammiert. „Sanktionen helfen hier wenig, sondern vergrößern die Problemlagen oft“, kommentieren die Grünen, die aktuelle Debatte zur Abschaffung von HartzIV-Sanktionen.

Einen Schwerpunkt legten die Grünen bei ihren Fragen auch auf die Situation von Wohnungslosen in den Samtgemeinden. „Das Obdach, das dort wenn überhaupt vorgehalten wird, ist zum Teil nicht akzeptabel“, so Staudte.

Die grüne Landtagsfraktion hat einen Antrag eingebracht, der mehr Angebote für wohnungslose Frauen und junge Menschen verlangt. „Aber auch hier sind die Kommunen gefordert“, so Schulz-Hendel.

Die Grünen bilanzierten nach der Gesprächsrunde, dass es sehr positiv ist, dass ein so gut ausgebautes Betreuungsangebot in Lüneburg vorgehalten wird. „Die bestehenden Probleme müssen aber angegangen werden.“ Um einen landesweiten Überblick über die Entwicklungen zu bekommen und der Politik die Möglichkeit zu geben, schneller reagieren zu können, fordern sie eine offizielle Wohnungslosenstatistik.

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Weitere Infos unter: www.bagw.de

„Die BAG Wohnungslosenhilfe (BAG W) hat am 14. Nov. 2017 ihre aktuelle Schätzung zur Zahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland vorgelegt: In  2016 waren demnach ca. 860.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung - seit 2014 ist dies ein Anstieg um ca. 150 %.Die BAG W prognostiziert von 2017 bis 2018 einen weiteren Zuwachs um ca. 350.000 auf dann ca. 1,2 Millionen wohnungslose Menschen. Das wäre eine weitere Steigerung um ca. 40%...“

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