Grüne kritisieren fehlende Sicherheitsauflagen Atommülllager Leese: Auslagerungsstopp nach Fassabsturz

Darum geht es

Ein Fass mit 200 Litern Atommüll stürzte im Lager Leese (Landkreis Nienburg) von einem Palettenstapel, als es zur Neuverpackung abtransportiert werden sollte. Dieser Unfall ereignete sich bereits im September 2020, doch die Informationen aus dem Landesumweltministerium blieben spärlich. Nun haben die Grünen mit einer Landtagsanfrage den Unfallhergang rekonstruiert. Das Ministerium bestätigt auf grüne Anfrage zudem: Die Fassauslagerungen sind auf unbestimmte Zeit ausgesetzt bis ein verbessertes Sicherheitskonzept genehmigt ist.

Das sagen die Grünen

Helge Limburg, regional zuständiger Landtagsabgeordneter

„Die Fass-Auslagerung startete mit über einem Jahr Verzögerung. Und dann konnten gerade mal 47 Fässer ausgelagert werden, bis es zum ersten Unfall kam. Auf unsere Nachfrage muss Umweltminister Olaf Lies nun einräumen, dass es bislang keine Absturzsicherungen gab, wenn die Paletten mit Atommüll-Fässern verladen wurden.

Die Sicherheitsauflagen müssen dringend und schnell überarbeitet werden. Auch wenn die Auslagerung der Alt-Fässer nun vorerst auf Eis gelegt wurde, stellt sich die Frage, warum muss immer erst etwas passieren, bevor die Sicherheit hinterfragt wird? Entweder jedes Fass wird einzeln gehandhabt oder die Atommüll-Paletten werden gesichert, bevor die auf den Gabelstapler kommen.“

Miriam Staudte, atompolitische Sprecherin

„Der Unfall zeigt auch deutlich: die Arbeitssicherheit im Umgang mit radioaktiven Stoffen muss oberste Priorität haben. Hier ist die Atomaufsicht gefordert, höhere Standards bei Eckert & Ziegler Nuclitec durchzusetzen.“

Hintergrund

1.484 Alt-Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus der ehemaligen Landessammelstelle Steyerberg sollen im nordrhein-westfälischen Jülich nachkonditioniert und neu verpackt werden, sodass sie den heutigen Sicherheitsanforderungen entsprechen. Die Atommüll-Fässer sind im Lager Leese eng neben- und übereinander gestapelt und müssen vor dem Abtransport mit Gabelstapler und Greifer ausgelagert werden. Das Land hat die Ermittlungen zur Unfallursache mittlerweile abgeschlossen. Demnach sollte eine Palette mit vier Atommüllfässern von einem Fassstapel heruntergehoben werden. Ein Fass war verrutscht und ragte über den Rand der Palette heraus, was jedoch unbemerkt blieb. Als die Palette bewegt wurde, stürzte das Fass zu Boden. Das Fass, das laut Deklaration betonierte Abfälle aus Metall, Kunststoff, Papier und Glas enthält, wurde verbeult und in ein Überfass gestellt.

Im Laufe des Januars soll nun ein Fachgespräch unter Beteiligung der Betreiberin Eckert & Ziegler Nuclitec und der Landesatomaufsicht stattfinden, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

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