Deckeldefekte bei Castoren

Die Landtagsgrünen sind höchst unzufrieden mit der Antwort des Niedersächsischen Umweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Stefan Wenzel und Miriam Staudte zu Deckeldefekten im Castorlager Gorleben und in anderen atomaren Zwischenlagern.

"Umweltminister Sander hat eine sehr eigenwillige Auffassung von den Sicherheitsanforderungen, die ein atomares Zwischenlager für hochradioaktiven Abfall erfüllen muss," so Fraktionsvorsitzender Wenzel.

"Um die Begründung, warum es sich bei den Druckschaltern nicht um einen systematischen Fehler handele, drückt sich das Ministerium," so Wenzel. "Auch deckt sich die Aussage in der Antwort, es habe nur 16 `Druckschalterereignisse´ in den deutschen Zwischenlagern gegeben, nicht mit der Aussage der GNS, die von rund 25 Meldungen spricht," erinnert der Grünen-Politiker.

Kritik an den Aussagen übt auch die regionale Abgeordnete Miriam Staudte: "Zwei Deckel auf den Castorbehältern in Verbindung mit ihren Dichtungen stellen noch kein zweifach redundantes Sicherheitssystem dar, wie die Landesregierung dies behauptet," kritisiert die Bündnisgrüne. Die Überwachung des Drucks im Innenraum der beiden Deckel durch Druckmessdosen diene dem Erkennen, ob der erste Castordeckel undicht geworden sei und sei keine Barriere. Außerdem spiele das Umweltministerium die Bedeutung der Druckschalter herunter, indem es ausführe, es reiche, dass die Zuverlässigkeit der Metalldichtringe von der Bundesanstalt für Materialforschung- und Prüfung (BAM) für 40 Jahre prognostiziert werde. "Mit dieser Argumentation könnte man auf jegliche Kontrolle verzichten," bemängelt Staudte.

Nach Ansicht des Fraktionsvorsitzenden ist es ein großes Manko aller bundesdeutschen Castorlager und widerspricht dem sonst üblichen Vorgehen in der Atomtechnik, dass die Überwachung der Behälterdichtigkeit in erster Linie durch das System der Druckmessdosen geschehe. "Angesichts des großen Gefährdungspotentials fordern wir zusätzliche Kontrollsysteme zur Überwachung von Raumluft und Castorbehältern," so Stefan Wenzel. "Das System der derzeitigen Leckageüberwachung durch Druckschalter muss bundesweit auf den Prüfstand." Die Messwerte müssten jederzeit online im Internet für die Öffentlichkeit überprüfbar sein.

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