Atomstandort Braunschweig-Thune Grüne: Störfallanalyse als Sicherheitsnachweis nicht belastbar

Im November 2017 wurde in der Produktion des Nuklear-Medizinunternehmen GE Healthcare in Braunschweig-Thune 40 Milliliter eine Flüssigkeit mit radioaktivem Jod verschüttet. Recherchen des NDR-Magazins Panorama 3 zufolge überschritt dieser Vorfall die Annahmen der Störfallanalyse. Auf Anfrage der Grünen im Landtag räumt die Landesregierung nun ein, dass in der Störfallanalyse nicht die Höchstmengen von radioaktiven Stoffen betrachtet werden, mit denen die Betriebe laut Genehmigung arbeiten dürfen.

Die grüne Atomexpertin Miriam Staudte kritisiert die Aufsicht am Atom-Standort Braunschweig-Thune als zu lax: „Die Störfallanalyse ist als Sicherheitsnachweis nicht belastbar, ein Worst-Case-Szenario wird gar nicht erst geprüft. Wir haben ernste Zweifel, ob die Grundlagen für die Betriebserlaubnis wirklich gegeben sind.“ In der täglichen Produktion dürfe in Thune also mit größeren Mengen radioaktiver Stoffe gearbeitet werden, als in der Störfallanalyse betrachtet wird. 

Die Landtagsabgeordnete fordert darüber hinaus Aufklärung über die tatsächliche Gefährdung durch die Nuklear-Betriebe: „Die Atomaufsicht darf sich nicht auf formale Ausflüchte zurückziehen.“ Das Umweltministerium argumentiere folgendermaßen: Die freigesetzte Strahlung war im Fall der gequetschten Flasche größer als angenommen, aber immer noch weniger als das, was wir im Falle eines Erdbebens erwartet würde. Staudte findet diese Erklärung beunruhigend: „Welche Folgen hat es, wenn es tatsächlich zu einem Erdbeben oder einem schweren Unfall kommt?“ Wesentliche Einschränkungen für den Umgang mit radioaktiven Stoffen wurden nach Angaben der Landesregierung erst nach dem Unfall erlassen. Dazu Staudte: „Es genügt nicht, Sicherheitsmängel erst zu beheben, wenn es bereits einen Unfall gab. Die Sicherheitsbetrachtungen müssen von Anfang an danach fragen, was im schlimmsten Fall passieren kann. Sonst sind böse Überraschungen vorprogrammiert.“

Zudem liege bislang keine finale Fassung der Sicherheitsanalyse vor. Die Abgeordnete Staudte dazu: „Die vom Land beauftragten Gutachter haben die Berechnungen der Unternehmen noch immer nicht abgesegnet, die Zweifel an den Berechnungen konnten offensichtlich nicht ausgeräumt werden. Anstatt die Störfallanalyse zu verteidigen, müsste Umweltminister Olaf Lies also Druck auf die Unternehmen aufbauen, die Berechnungen anzupassen. “ Die Störfallanalyse soll den Nachweis liefern, dass auch bei Unfällen eine Gefährdung von Mensch und Umwelt ausgeschlossen ist. Dieser Nachweis ist Voraussetzung für die Betriebsgenehmigung.

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