Pressemitteilung Landwirtschaft und Klimawandel: Grüne bemängeln späte Anhörung

Landwirtschaft und Klimawandel - ein Thema, das gerade nach den beiden trockenen Jahren 2018 und 2019 viele Betriebe beschäftigt. In der letzten Sitzung des Agrarausschusses des niedersächsischen Landtages fand anlässlich eines Antrags der Grünen eine Anhörung zu diesem Thema statt. „Besser spät als nie. Wir haben vor über einem Jahr einen Antrag zur Anpassung der Landwirtschaft an die Herausforderungen des Klimawandels gestellt. Erst jetzt fand die Anhörung der Experten statt. Eine solche Verschleppung können wir uns beim Thema Klimapolitik nicht mehr leisten", so die grüne Landtagsabgeordnete Miriam Staudte, die die Grünen im Agrarausschuss vertritt, in Richtung der GroKo.

Auf die Forderungen im Antrag der Grünen gab es von der überwiegenden Mehrzahl der Anzuhörenden eine positive Rückmeldung. „Selbst die Landwirtschaftskammer hat sich sehr positiv zu unseren Forderungen geäußert", berichtet Staudte von der dreistündigen Anhörung. Im Mittelpunkt der Debatten stand der verstärkte Humusaufbau sowohl als Möglichkeit mehr Kohlenstoff im Boden zu speichern, aber auch, um die Fähigkeit des Bodens, Feuchtigkeit zu halten, zu verbessern. Nahezu alle Experten forderten statt der Fokussierung auf Entwässerungsgräben eine Umkehr zu einem Wassermanagement, das das Wasser in der Fläche hält.

„Die Gräben müssen häufiger aufgestaut werden, statt mit ihnen das Wasser schnell abzuleiten“, so Staudte. Auch die Förderung wassersparender Technik und wassersparender Bewässerungsverfahren wurde befürwortet. Einen Dissens gab es bei der Frage, ob man Gentechnik bräuchte, um angepasste Pflanzen zu entwickeln oder bei der Frage, ob Glyphosat nötig sei, um den Boden weniger zu bearbeiten. Prägnant im Hinblick auf die Frage nach besseren Versicherungsmodellen für die Landwirtschaft sei das Zitat von Frau Prof. Dr. Helming vom Zentrum für  Agrarlandforschung aus Brandenburg gewesen. Sie hatte mehrfach betont: „Ein gesunder Boden ist die beste Versicherung.“

Insgesamt kam von vielen Seiten, Aussagen, dass man vom Ökolandbau viel  in Sachen Bodengesundheit lernen könne. Die Erhöhung des Anteils der Biolandwirtschaft sei gerade in Niedersachsen, dass mit 4 % Ökolandbau Schlusslicht sei, nötig. „Der Nordosten ist mit 15 % Ökolandbau absoluter Ausreißer im positiven Sinne", so die Grünen-Abgeordnete. Allerdings haben die Karten des Potsdam-Instituts für Klimafolgen gezeigt, dass gerade Lüchow-Dannenberg, Lüneburg, Uelzen ,Celle und Gifhorn mit 10-15% Ertragseinbußen zu rechnen habe. Das Wendland zähle klimatisch eher zu Brandenburg. Die höchsten Einbußen seien im östlichen Gifhorn zu erwarten.

Im Westen Niedersachsens hingegen sei nur mit durchschnittlich 0-10% Ertragseinbußen zu rechnen. Auch wenn sich dort der Klimawandel nicht so bemerkbar macht, müsse diese Region gerade für den Moorschutz gewonnen werden, so Staudte. Er sei unabdingbar für die Speicherung von Kohlenstoff.

Dass Niedersachsen mit seinen Tierhaltungshochburgen um Vechta und Cloppenburg Tierzahlen reduzieren müsse, kam mehrfach zur Sprache. „Auch der Verzicht auf Soja-Importe aus Regenwaldgebieten ist eine notwendige Maßnahme für mehr Klimaschutz,“ so die Grüne. Bei Stallbauten müsse laut der Experten stärker auf Hitzeschutz zum Beispiel mit weißen Dächern geachtet werden.  Vorgaben für Tiertransporte müssten tatsächlich eingehalten werden.

„Für uns haben sich noch weitere sinnvolle Ergänzungen für den Antrag ergeben. Nach dieser Anhörung können CDU und SPD den Antrag nicht einfach ablehnen. Wir erwarten, dass es nicht wieder ein Jahr dauert bis über den Antrag abgestimmt wird,“ so Miriam Staudte.    

   

Zurück zum Pressearchiv