Herdenschutz vor Wolf Staudte: Fast 400 Anträge unbearbeitet

Laut Medienberichten gab es vermutlich Wolfsrisse im Nachbarlandkreis Lüneburg in Bleckede. Gleich zwei Schäfer haben in den letzten Tagen mehrere Schafe verloren. Kritik kommt insbesondere von einem der beiden Schafhalter, der bereits vor vier Monaten einen Förderantrag beim Land gestellt hat, um den Zaun wolfssicherer aufzustocken. Der Antrag wurde bislang jedoch nicht bearbeitet.

Die grüne Landtagsabgeordnete Miriam Staudte kritisiert den Bearbeitungsstau im Wolfsbüro des Landesumweltministeriums: „Im Moment stapeln sich rund fast 400 Präventionsanträge beim Land. Das hat eine grüne Anfrage an die Landesregierung ergeben. Dahinter stehen 400 Tierhalter, die in einen besseren Herdenschutz investieren wollen, mit dem Zaunbau aber erst beginnen dürfen, wenn der Antrag bearbeitet wurde.“ Staudte kann über diese Organisationsversagen nur den Kopf schütteln: „Seit Jahren diskutieren wir über das Thema. Ich verstehe nicht, warum das nicht endlich besser organisiert wird im Umweltministerium. Inzwischen weiß doch jeder, dass der Wolf ein lernfähiges Tier ist. Wölfe dürfen sich gar nicht erst daran gewöhnen, Schafe oder andere Weidetiere zu reißen. Die vermeidbare Verzögerungen für den Herdenschutz durch die Landesebene sind nicht hinnehmbar. Besonders die CDU hat doch mit dem Wolfsthema Wahlkampf gemacht. Und jetzt funktioniert die Antragsbearbeitung immer noch nicht?“

Staudte wiederholt ihre Forderung nach einer sofortigen Unterstützung im Akutfall: „Wenn ein Tier mutmaßlich vom Wolf gerissen wurde, muss der betroffene Tierhalter sofort bei der Ertüchtigung des Zauns oder eines Nachtpferchs unterstützt werden, damit das Tier nicht in der nächsten Nacht wieder Erfolg hat. Wo bleibt die häufig angekündigte `Task Force´?“

Als eine Ursache für die Verzögerungen vermutet Staudte die aufwändige, aber erfolglose Jagd nach dem `Rodewalder Rüden´ im Landkreis Nienburg.

Umweltminister Lies hatte den Rodewalder Rüden im Landkreis Nienburg bereits im Januar zum Abschuss freigegeben. Dazu Staudte: „Die Suche nach dem Wolf verläuft seit acht Monaten erfolglos. Das einzige Ergebnis bislang ist, dass sich die Förderanträge aufstauen, weil das Personal mit der Suche nach dem Rodewalder Rüden beschäftigt ist. Damit ist wirklich niemandem geholfen. Geld, Zeit und Personal wären in wolfsabweisende Zäune und die Ausbildung und Unterhaltung von Herdenschutzhunden sinnvoller investiert.“ Den nächsten Wolf zum Abschuss freizugegeben, wie nun gefordert, würde das Problem womöglich weiter verschärfen. 

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Im Anhang die Anfrage mit Antwort der Landesregierung. Auszug aus dem Protokoll der letzten Plenarsitzung:

Olaf Lies, Minister für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz:

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrter Herr Schmädeke, tatsächlich liegt uns eine große Zahl von Anträgen vor; es sind zurzeit 508. Das ist der Stand von, ich glaube, vorgestern. Bei 500 Anträgen ist eine Eingangsbestätigung ergangen, sodass klar ist, dass der An-trag eingegangen ist - das ist der andere Teil der Verunsicherung. Bisher sind 116 der eingegangenen Anträge bewilligt; bei 100 Anträgen ist eine Auszahlung erfolgt, und die anderen sind in der Bearbeitung.

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