Castor-Lagerung in Lubmin und Gorleben Staudte: Mit zweierlei Maß gemessen

Für das Castor-Lager Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern soll eine neue Lagerhalle errichtet werden. Die bestehende Halle entspreche nicht mehr den aktuellen Standards zum Schutz vor terroristischen Anschlägen und Flugzeugabstürzen, so die Begründung des Betreibers. Was folgt daraus für das baugleiche Zwischenlager für hochradioaktive Abfälle in Gorleben? Das wollte die die Bürgerinitiative Umweltschutz wissen. Die grüne Landtagsabgeordnete Miriam Staudte aus Lüchow-Dannenberg hakte bei der Landesregierung mit einer Anfrage nach. Die Antwort liegt nun vor.

Laut dem niedersächsische Umweltministerium erfülle das Transportbehälter-Lager Gorleben alle aktuellen Sicherheitsstandards. Die Castor-Behälter seien die einzige und wesentliche Schutzbarriere. „Die Lagerhalle mit ihren 50 cm starken Außenwänden und der Decke aus 20 cm Stahlbeton muss keine Sicherheitsfunktionen für die Behälter übernehmen,“ so die Landesatomaufsicht. Der Schutz vor terroristischen Anschlägen solle durch den geplanten Bau einer zusätzlichen Schutzmauer von 10 Metern Höhe rund um das Lager gewährleistet werden, deren Bau sich aber erst in der Planung befände.

Staudte kritisiert: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum hier mit zweierlei Maß gemessen wird. Für die Atomabfälle in Lubmin wird aus Sicherheitsgründen eine komplett neue Lagerhalle errichtet. In der Castor-Halle in Gorleben sind Wände und Decke sogar noch ein paar Zentimeter dünner, hier sieht die Atomaufsicht jedoch keinerlei Handlungsbedarf." Dass die niedersächsische Landesregierung auf die Frage nach dem Vergleich der beiden Castor-Hallen antwortet, man wisse nichts über die ´bauliche Ausgestaltung` der Lagerhalle in Lubmin sei  „eine Frechheit“, so Staudte. „Ansonsten tauschen sich die Atomaufsichten doch auch im so genannten Bund-Länder-Ausschuss Atomkernenergie aus. Hier will die Landesregierung wohl lieber erst gar nichts wissen,“ bemängelt Staudte die Arbeitsauffassung des Umweltministeriums.

Staudte fordert, Land und Bund müssten bei der Zwischenlagerung endlich ehrlich agieren. „Der Zeitplan der Bundesregierung für die Endlagersuche ist hochambitioniert, demnach soll bis zum Jahr 2050 ein Endlager gefunden, genehmigt, gebaut und in Betrieb genommen werden. Dass das klappt, ist unrealistisch. Die Genehmigung für das Castor-Lager Gorleben läuft 2034 aus. Es ist also höchste Zeit, dass Land und Bund darlegen, wie die Zwischenlagerung der Atomabfälle über diesen verlängerten Zeitraum ablaufen soll. Dafür braucht es ein belastbares Sicherheitskonzept, die Bestandsgenehmigungen für Castoren und Lagerhallen dürfen nicht einfach so verlängert werden. “

Das Castor-Lager in Lubmin wird von den Energiewerken Nord betrieben, ein Unternehmen, das sich zu 100 Prozent im Besitz des Bundes befindet. Auch das Transportbehälterlager Gorleben wird mittlerweile von einer bundeseigenen Gesellschaft betrieben, der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ). „Das macht die Sache vollends absurd,“ so Staudte.

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